LO.LA RESCUE
Die Grundidee eines digitalen Werkzeugs zur effizienten und effektiven Erfassung von Unfällen auf Österreichs Skipisten wurde schon vor einigen Jahren geboren. Vor Beginn der Wintersaison 2024/25 folgte dann, auf Wunsch einiger durch die LO.LA beratener Skigebiete, die konkrete Verwirklichung.
Das Fundament des neuesten Tools der LO.LA-Toolfamilie bildeten ausführliche Gespräche mit Pistenretter:innen und weiteren Expert:innen aus dem alpinen Rettungswesen sowie eine Begutachtung und Evaluierung der bisherigen Protokollierweise von Pistenunfällen. Auf Grundlage des so erhobenen Status Quo erfolgte die gemeinschaftliche Erstellung eines umfangreichen Anforderungskataloges an das neue Tool gefolgt von den ersten Programmierarbeiten. Mehre Prototypen und viele Testläufe später konnten wir pünktlich zum Saisonstart 2024/25 das neueste Mitglied der LO.LA-Toolfamilie aus der Taufe heben: LO.LA Rescue.
Erleichterungen für die Anwender:innen
Unser Hauptziel war es, die Arbeit der Pistenretter:innen vor allem hinsichtlich der Dokumentation zu erleichtern. Dabei galt es, eine saubere, dem aktuellen Stand der Technik entsprechende digitale Notfallprotokollierung nicht nur intuitiv bedienbar, sondern vor allem direkt im Gelände einsetzbar zu gestalten. Neben der rechtlichen Notwendigkeit einer sauberen Einsatzprotokollierung kann eine solche auch eine Vielzahl spannender Daten zur späteren Analyse liefern. Diese können zum Beispiel in zukünftige Überlegungen zum Thema Unfallprävention einfließen oder zur Weiterentwicklung der Ausbildungskonzepte der Pistenrettung dienen. Trotz vielfacher Tests wurden die ersten Anwendungen der digitalen Unfallerfassung in der Praxis mit Spannung erwartet. Und so viel sei hier bereits vorweggenommen, unsere Erwartungen wurden deutlich übertroffen!
Erster Einsatz erfolgreich
Während der Wintersaison 2024/25 wurde das LO.LA Rescue Tool österreichweit in 11 verschieden Skigebieten eingesetzt. In der heurigen Wintersaison ist diese Zahl auf 19 angestiegen. Vergleicht man die Anzahl der Pistenkilometer dieser Skigebiete mit der österreichweiten Gesamtkilometeranzahl (7325 km laut Skiresort.at), kann man sagen, dass LO.LA Rescue bereits auf knapp über 10% der heimischen Skipisten (-kilometern) im Einsatz ist. Die Palette reicht dabei von kleinen Familienskigebieten bis hin zu großen Tourismus-Hotspots. Die aus den Unfallberichten gewonnenen (anonymisierten) Daten können also als repräsentativ und aussagekräftig angesehen werden.
Die Wintersaison 25/26 im Überblick
Das Kuratorium für alpine Sicherheit hat im 10-Jahres-Mittel knapp 3800 Unfälle auf Österreichs Skipisten ermittelt. Da hier jedoch nur Unfälle mit tödlichem Ausgang oder mit Verdacht auf Fremdverschulden einfließen, ist hier die Dunkelziffer sehr hoch.
Hohe Dunkelziffer bei den Unfällen
In der Winterausgabe 2024/25 von Analyse Berg wurde (defensiv) geschätzt, dass die vom Kuratorium erfassten Unfälle nur 7 bis 10% des tatsächlichen Unfallgeschehens auf Österreichs Skipisten darstellen. Anhand der Daten, welche mit dem LO.LA Rescue Tool gewonnen werden konnten, müsste man diese Annahme vielleicht sogar noch nach unten, Richtung 5% korrigieren. Grob geschätzt kann man sagen, dass auf 1000 Skier-Days eine Person verunfallt. Statistisch betrachtet liegt die Unfallwahrscheinlichkeit für den einzelnen Wintersportler also im Bereich von einem Promille pro Skitag. Um diese Schätzung festigen zu können, sind aber noch weitere aktuelle Skier-Days Zahlen vonnöten.
Fakten zur zweiten Wintersaison
In jenen Skigebieten, die LO.LA Rescue bereits die zweite Wintersaison nutzen, konnte im Durchschnitt eine Zunahme der Pistenunfälle um 9% im Vergleich zum Vorjahr festgestellt werden. Neben der reinen Anzahl der Unfallereignisse, lohnt es sich auch, einen Blick auf die jeweiligen Unfallursachen zu werfen: Von den 7521 erfassten Einsätzen waren 80% klassische Einzelstürze. Die zweithäufigste Unfallursache waren Kollisionen (Fremdbeteiligung) mit knapp 9%. In knapp 1,5% der Fälle wurden die Pistenretter:innen zu internen Notfällen (z.B. Herz-Kreislauf-Probleme) gerufen. In der vorigen Wintersaison 2024/25 hat die Verteilung der Unfallursache ein nahezu identisches Bild hervorgebracht.
Jeweilige Anzahl der mit dem LO.LA Rescue Tool erfassten Unfallursachen. Zeitraum 01.10.25 – 12.04.26 | © LO.LA RESCUE Tool
Von den 7753 erfassten Personen waren mit 53,1% die Männer in der Überzahl. Bei Kollisionen betrug der Anteil männlichen Personen sogar 58%.
Bezüglich des Alters der Unfallbeteiligten ergab die Auswertung der Daten eine überproportionale Häufung in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen. Diese Unfallhäufung ist geschlechtsunabhängig zu beobachten. Mit Blick auf die Herkunftsländer der Verunfallten sticht Deutschland mit 3012 erfassen Personen heraus. Dahinter folgt Österreich (840) und die Niederlande (552).
Verunfallte Wintersportler im 10-Jahre-Mittel, welche mit dem LO.LA Rescue Tool erfasst wurden. Zeitraum 01.10.25 – 12.04.26 | © LO.LA RESCUE Tool
Verletzungsmuster
Vorweg ist hier anzumerken, dass es sich bei den am Unfallort erfassten Verletzungen situationsbedingt stets um Verdachtsdiagnosen handelt. Die häufigste Verdachtsdiagnose stellt mit 37% die Knieverletzung dar. Es folgen Schulterverletzungen mit 16% und Kopfverletzungen mit 14%. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein genauerer Blick auf die Unfallursache: Betrachtet man nur die Kollisionen so ist der Kopf mit 28% am häufigsten betroffen gefolgt von Knie (22%) und Schulter (28%). Bei Aufprällen gegen ein Hindernis steigt der Anteil von Kopfverletzungen sogar auf 38%.
Verletzungsbereich in Prozent, welcher bei der Erstdiagnose angeben wurde. Es sind auch Mehrfachnennungen möglich. Zeitraum: 01.10.25 – 12.04.26 | © LO.LA RESCUE Tool
Umgebungsparameter
Ein zentraler Punkt de Tools ist, dass jeder Unfall punktgenau verortet wird. Mithilfe dieser Informationen können Hotspots grafisch dargestellt und somit schnell identifiziert werden. Im digitalen Einsatzprotokoll werden neben Daten zu Unfallursache und -beteiligten, auch die Unfallstelle betreffende Details erfasst. Hierzu zählen zum Beispiel die aktuellen Schnee-, Wetter- und Sichtverhältnisse, die Hangneigung und die Personenfrequenz zum Unfallzeitpunkt. Aus Gesprächen mit Pistenretter:innen ging hervor, dass sich eine hohe Anzahl und vor allem viele schwere Unfälle bei geringer Personenfrequenz auf der Skipiste ereignen. Die in den letzten beiden Wintern gewonnen Daten bestätigen diese Vermutung. Weiters zeigen die erfassten Daten, dass die Unfälle sich zum Großteil in flachem oder mäßig steilem Gelände (unter 20°) ereigneten. Das Wetter zum Unfallzeitpunkt war zum überwiegend sonnig und auch die Sicht war gut. Zeitlich gesehen, ereignen sich die meisten Unfälle zwischen elf und zwölf Uhr mittags.
Bei 6177 Unfällen wurde die Personenfrequenz zum Unfallzeitpunkt angegeben. Zeitraum 01.10.25 – 12.04.26 | © LO.LA RESCUE Tool
Fazit
Erstmals stehen belastbare Daten von einer Vielzahl an Unfällen auf Österreichs Skipisten zur Verfügung. Der oben dargestellte kleine Ausschnitt der gesammelten Ergebnisse zeigt die Fülle an wertvollen Informationen, die mithilfe von LO.LA Rescue gewonnen werden können. Wie bereits erwähnt, könnten diese Daten sowohl für das interne Sicherheitsmanagement im Skigebiet, zur Optimierung von Ausbildungsinhalten für Pistenretter:innen als auch zur allgemeinen Unfallprävention mittels gezielter Informationskampagnen einen wichtigen Beitrag leisten. Die gewonnen Erkenntnisse fließen auch in die ständige Weiterentwicklung des LO.LA Rescue Tools mit ein.




