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Wissen ist wertvoll und gewinnt durch intensiven Austausch weiter an Wert. Für LO.LA ist es daher von großer Bedeutung, die Anwender ihrer Systeme bestmöglich zu schulen, Feedback einzuarbeiten und die Expertise ihrer Anwender zu integrieren.

Projektinfos

Seit der Wintersaison 18/19 arbeitet die ÖBB-Infrastruktur AG mit einem von LO.LA konzipierten Entscheidungs-Unterstützungs-System. Um das System zu optimieren und ihre Anwender weiterhin zu stärken, fanden in der Wintersaison 2021/22 bisher zwei Treffen mit den einzelnen Kommissionen statt.  Ein Termin zur Nachkoordinierung wird im Frühjahr noch umgesetzt.

Teil I der Expertenausbildung

Das erste Treffen zwischen LO.LA und den Experten des Lawinenwarndiensts der ÖBB-Infrastruktur AG fand im Frühwinter statt. Aufgrund der COVID-19-Situation musste dieses Treffen online abgehalten werden. Neben Neuerungen wie der Anpassung der LAS-Beschlussfassung, der Einbindung eines neuen Stabilitätstest (kleiner Blocktest) und der Wettercharts wurde der Problemzentrierte Ansatz diskutiert und besprochen. Anders als im Vorjahr kann mit Beginn der Saison 2021/22 ein LAS-Beschluss nur noch nach einer vorhergehenden detaillierten Beurteilung gefasst werden.

Der Problemzentrierte Ansatz

Der Problemzentrierte Ansatz soll den Beurteilungsprozess zugänglicher machen. Alle fünf Lawinenprobleme beschreiben typische Situationen, wie sie im Gelände vorkommen und den Lawinenkommissionär bei seiner Beurteilung der Lawinengefahr unterstützen können. Im Beurteilungsprozess stellt sich der Experte zuerst die Frage nach dem Lawinenproblem in seinem Beurteilungsgebiet. In weiterer Folge soll dieses nach Exposition und Höhenbereich räumlich definiert werden. Einen weiteren Punkt in der Beurteilung stellt die Frage nach der Ausprägung des Lawinenproblems, die wiederum mit Fragen nach der Schneedeckenstabilität, der Verteilung der Gefahrenstellen und der zu erwartenden Lawinengröße einhergeht. Mit dem LO.LA Infra Tool wird allen Aussagen ein Wert zugewiesen und daraus eine lokale Warnstufe ermittelt, welche die Beurteilung am Lawinenstrich unterstützen soll.

Teil II der Expertenausbildung

Bei einem weiteren Treffen – einem Geländetag – erkundigte sich das LO.LA Team nach dem Arbeitsalltag mit dem für die ÖBB entwickeltem Tool und stellte ein Sicherheitskonzept für die Geländearbeit vor. Im Feld erörterte man gemeinsam die Problematiken der jeweiligen Lawinenanbruchgebiete und im Nahbereich eines Lawinenstriches schulte man erneut Methoden zur systematischen Schneedeckenuntersuchung. Der neu in das Tool eingebundene KBT – Kleiner Blocktest – wurde dabei detaillierter besprochen.

Der Kleine Blocktest

Der Kleine Blocktest wird vor allem in Bayern als Werkzeug zur systematischen Schneedeckendiagnose angewandt. Dabei wird ein Block von etwa 40x40cm bis maximal 1 m Tiefe frei gelegt. Von oben anfangend klopft man vorsichtig seitlich mit der Schaufel auf den Block, bis ein Bruch stattfindet, der Block abgleitet oder zerbricht. Der Vorteil gegenüber einem Schneeprofil liegt im geringeren Zeitaufwand. Ohne die gesamte Schneedecke Schicht für Schicht zu analysieren, konzentriert man sich beim KBT auf die Bruchfläche und analysiert diese. Besonderes Augenmerk soll dabei auf die Bruchart, die Tiefe des Bruches, die Kristallform und die vertikale Ausdehnung der Schwachschicht gelegt werden.  Ähnlich wie bei dem im Vorjahr geschulten ECT und RB kann man schlussendlich eine Aussage über die Schneedeckenstabilität treffen und die gewonnen Informationen in das Prozessdenken integrieren (Wie ist die Schwachschicht entstanden? Wie verbreitet ist sie? Was bedeutet das für mich?). Der Vorteil gegenüber ECT und RB liegt darin, dass der KBT erstmals im flachen Gelände gegraben werden kann und dass eine Blocktiefe bis maximal 1m völlig ausreichend ist. Darüber hinaus lassen sich beim sorgfältigen Klopfen auch sehr oberflächennahe Schwachschichten identifizieren.

Ausblick

Bei einem dritten Treffen im Frühjahr soll mit den einzelnen Kommissionen die vergangene Wintersaison von beiden Seiten reflektiert werden. Weitere Punkte auf der Agenda des Treffens im Frühjahr sind ein Planspiel und der Abgleich der Lawinenstrichinformationen der einzelnen Kommissionen mit den Daten aus dem Naturgefahrenmanagement der ÖBB-Infrastruktur AG. Während das Planspiel sowohl den Umgang mit dem LO.LA Infra Tool als auch das Prozessdenken fördern soll, verfolgt der Abgleich der Lawinenstrichinformation das Ziel, einen konsistenten Datensatz zu entwickeln, der überall in der Organisation den selben Informationswert besitzt. Abgerundet wird die dritte Schulungseinheit mit der Fixierung der Inhalte für das Handbuch über die Arbeiten der ÖBB Lawinenkommissionen. Diese Inhalte werden im Sinne einer Praxisempfehlung aufgebaut und das Handbuch dient den ÖBB Lawinenkommissionen als Nachschlagewerk und Wissensbasis.

Facts zu den ÖBB-Geländetagen

8 Geländetage

sonnig

87.5%

bedeckt

12.5%

29 Schneedeckentests

KBT

31%

ECT

69%
teilnehmende LK Mitglieder

54

detaillierte Schneeprofilaufnahmen

13

Im Zuge der Ausbildung zurückgelegte Höhenmeter auf Tourenski

2950

Die Lawinenkommissionen des ÖBB Lawinenwarndienstes arbeiten täglich und professionell für die Sicherheit der Infrastruktur. Die entsprechenden LO.LA Ausbildungen und Methoden bilden dafür das Grundgerüst, das lokale Wissen der einzelnen Kommissionen baut darauf auf.

Marco KnoflachLO.LA Ausbildungsteam